Umfrage: Lust auf Amateurfußball in Westfalen ungebrochen

Große Treue, große Sehnsucht, große Herausforderung – der Wunsch auf den Platz zurückzukehren ist auch bei den rund 8.500 westfälischen Teilnehmerinnen und Teilnehmern an der bundesweiten Onlineumfrage, die der Deutsche Fußball-Bund (DFB) durchgeführt hat, groß. Auch in Westfalen ist die Lust auf Fußball im Amateurbereich ungebrochen. Eine weitere wichtige Erkenntnis: Die 24.500 Vereine mit Fußballangebot in Deutschland haben sich in der Coronakrise als robust und widerstandsfähig erwiesen. Die Problemstellungen verschärfen sich jedoch mit jedem Tag, an dem der Ball auf den Sportplätzen nicht rollen kann.

Mehr als 100.000 Personen aus dem gesamten Bundesgebiet haben über den Zeitraum einer Woche an der DFB-Umfrage teilgenommen, aus Westfalen waren es 8.440 Teilnehmende, verteilt über nahezu alle Altersgruppen. Am stärksten vertreten waren aktive Spieler*innen (43,7 Prozent) vor Trainer*innen (18,1 Prozent) sowie Vereinsmitarbeiter*innen und Eltern von fußballspielenden Kindern und Jugendlichen. Die übergeordnete Fragestellung lautete: Wie geht es dem deutschen Amateurfußball tatsächlich?

"Ohne Amateurfußball fehlt dem Fußball die Seele"

Gundolf Walaschewski, Präsident des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW) sagt: „Das ist auch das, was uns unsere Vereine in den FLVW-Online-Dialogen immer wieder sagen. Sie vermissen den Fußball, das Miteinander auf dem Platz. Auch wenn die Herausforderungen und damit auch die Belastung seit fast einem Jahr Pandemie ihren Tribut zollen, bleiben die Menschen ihren Vereinen treu wofür ich mich auch persönlich herzlich bedanken. Das zeigt, wie wichtig der Sport für die Gesellschaft und wie tief verwurzelt er in der Gesellschaft ist – und bleiben wird.“

Der Wunsch und das Bedürfnis, wieder aufs Spielfeld zurückzukehren, drückt sich deutlich in den Zahlen der Umfrage aus. 88,5 Prozent der befragten Westfalen vermissen den Amateurfußball, 96 Prozent die Aktivitäten in ihrem Verein. Besonders fehlen den Menschen die Gemeinschaft und das Gemeinschaftsgefühl und natürlich aktive Fußballspielen selbst (68 Prozent). 

Gemeinschaft und Gemeinschaftsgefühl fehlt am meisten

Die Befürchtung, dass viele Menschen dem Amateurfußball während des zweiten Lockdowns seit November komplett verloren gegangen sind, wird von der Umfrage widerlegt. 95 Prozent der Teilnehmer*innen geben an, dass sie auf jeden Fall oder sehr wahrscheinlich in ihre Vereine zurückkehren werden. Am höchsten priorisiert wird im Falle möglicher Lockerungen die Wiederaufnahme des Mannschaftstrainings (82 Prozent). Große Einigkeit besteht darin, speziell den Nachwuchs im Blick zu haben. 94 Prozent sagen, dass der Kinder- und Jugendfußball vor oder mindestens parallel mit dem Sportbetrieb der Erwachsenen geöffnet werden solle. 

Beim Einstieg ins Training räumen 68 Prozent der Umsetzung eines Hygienekonzepts durch den Verein die höchste Priorität ein. Als ähnlich wichtig wird ein fester und nachvollziehbarer Stufenplan für den Amateurfußball eingeschätzt (60 Prozent). 94 Prozent antworteten, dass Hygienekonzepte im vergangenen Sommer von ihrem Klub umgesetzt wurden.

70 Prozent weniger Fußballspiele im vergangenen Jahr

Gemäß der Daten im DFBnet sind im Kalenderjahr 2020 rund 70 Prozent weniger Fußspiele in Deutschland ausgetragen worden als 2019. In einem normalen Jahr finden zirka 1,4 Millionen Spiele statt. Der Rückgang an gemeldeten Mannschaften zwischen der Saison 2018/2019, der letzten kompletten Spielzeit vor Corona, und 2020/2021 beträgt sechs Prozent. Die Zahl liegt nun bei insgesamt knapp 140.000 Teams. 

Vor diesem Hintergrund haben sich die wichtigsten Aufgabenstellungen für Amateurklubs etwas verschoben, wie die DFB-Umfrage verdeutlicht. Die größten Herausforderungen vor Ausbruch der Pandemie waren, als Verein eine ausreichende Zahl von ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen (55 Prozent) und qualifizierten Trainer*innen (42 Prozent) zu haben. Die finanzielle Situation von 25 Prozent genannt. Für die Zeit nach der Coronakrise gestaltet sich das Meinungsbild wie folgt: 47 Prozent sehen weiterhin eine ausreichende Zahl von Ehrenamtlichen als eine der größten Herausforderungen, knapp dahinter folgen nun das Thema Nachwuchs und die finanzielle Situation mit jeweils 40 Prozent.

61 Prozent der Vereinsmitarbeiter*innen und Trainer*innen, die an der Umfrage teilnahmen, sehen finanzielle Auswirkungen auf ihren Verein. Davon erkennen 81 Prozent eine spürbare Belastung, 16 Prozent bezeichnen die Situation als existenzbedrohend.